Prof. Dr. Jürgen Schmude
Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung
Ludwig-Maximilians-Universität München
Ziel dieses Teilvorhabens ist es, das touristische Angebot des Naumburger Doms, die daraus resultierenden ökonomischen Effekte, sein Image, die Einbindung in Kooperationsformen sowie nachfrageseitig das Besucherverhalten zu analysieren. Dadurch werden mögliche Potentiale zur nachhaltigen Qualitätssicherung bzw. -verbesserung aufgezeigt. Insgesamt wird besonderer Wert auf eine ganzheitliche Betrachtung im Sinne der touristischen Nachhaltigkeit gelegt. Die Untersuchung verteilt sich dabei auf zwei Dissertationen.
Projekt I analysiert neben einer interdisziplinären Untersuchung des kulturellen Angebots des Naumburger Doms zunächst die Entwicklung und Möglichkeiten seiner touristischen Inwertsetzung. Ein Vergleich mit anderen Domen hilft, Stärken und Schwächen des Angebots zu identifizieren. Aus touristischer Sicht stellen Kirchen nahezu ubiquitäre Attraktionen dar, weshalb v.a. die Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal (USP) und dessen Vermarktung wichtig erscheinen. In Bezug auf den Informationsanspruch der Touristen über Kunst und Geschichte stellt sich neben inhaltlichen Aspekten auch die Frage der konkreten Form der (didaktischen) Umsetzung. Einen zentralen Bestandteil der Arbeit stellt die Analyse des Besucherverhaltens insbesondere im Dominneren dar. Können beispielsweise durch die Erhebung eines Eintrittspreises Einflüsse auf das Besucherverhalten und deren Erwartungen beobachtet werden? Beobachtetes touristisches Verhalten und Ergebnisse aus eigenen Besucherbefragungen bieten im Zusammenspiel mit Basisdaten aus Erhebungen an der Domkasse eine für die touristische Erforschung sakraler Bauwerke exzellente Datengrundlage. Diese ermöglicht unter Anderem die Identifizierung unterschiedlicher Besuchertypen, die für ein zukunftsfähiges Marketing nach Außen, ebenso wie für die didaktische Ausrichtung im Inneren von Bedeutung sind. Vor dem Hintergrund der Frage, wie viele Touristen der Dom „verträgt“, wird zudem das Spannungsfeld zwischen Ge- und Verbrauch des Doms interdisziplinär diskutiert. Hierbei werden die positiven ökonomischen Effekte den denkbaren negativen soziokulturellen (kirchliche vs. museale Nutzung) und konservatorisch relevanten Auswirkungen (Fotoblitz, Handfette, Atemluft, eingetragener Staub, Luftfeuchtigkeit durch nasse Kleidung, Abnutzung von Flächen) gegenübergestellt.
Projekt II analysiert den touristischen Attraktionspunkt Naumburger Dom anhand drei verschiedener inhaltlich miteinander verbundener Schwerpunkte. So gibt eine umfassende Imageanalyse Aufschluss über die Wahrnehmung des Bauwerks durch seine Besucher hinsichtlich affektiver, kognitiver und motivationaler Aspekte. Im Mittelpunkt stehen dabei direkte und indirekte Erhebungsmethoden wie beispielsweise ein Imagedifferenzial und Assoziationsnetze. Abgerundet wird dieser Schwerpunkt durch die explorative Erhebung des Bekanntheitsgrades des Naumburger Doms in München und Leipzig sowie einer Analyse des Besucherpotenzials des Bauwerks. Ein zweiter essenzieller Aspekt des Dissertationsvorhabens ist die Ermittlung der direkten und indirekten durch den Tourismus generierten ökonomischen Effekte für die Stadt Naumburg und das Reisegebiet Halle, Saale, Unstrut. Von besonderer Relevanz ist dabei der durch den Dom-Tourismus hervorgerufene Anteil, der Aussagen über die touristische Bedeutung der Kathedrale zulässt. Den Abschluss bildet die Analyse der Einbindung des Naumburger Doms in angebots- und nachfrageseitige Netzwerke. Im Mittelpunkt steht hierbei u.a. die Analyse des Kopplungsverhaltens der Besucher mit Hilfe des Methodenspektrums der Netzwerkanalyse sowie die Erhebung vertikaler und horizontaler Kooperationspartner des Naumburger Doms.
Alle Arbeitsschritte werden in enger Zusammenarbeit (inhaltlich wie methodisch) zwischen den beiden Projekten durchgeführt, wobei v.a. eine Stärken-Schwäche-Analyse der touristischen Inwertsetzung des Naumburger Doms zu nennen sind. Die Kooperation mit den Doktorandenteams der anderen Disziplinen ist integraler Bestandteil der Projektanlage, gerade auch im Hinblick auf die geeignete Umsetzung der Ergebnisse der anderen Disziplinen für die breite Öffentlichkeit.
Prof. Dr. Jürgen Schmude
E-Mail: juergen.schmude@
geographie.uni-muenchen.de
www.geographie.uni-muenchen.de

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