Mittelalterliche Geschichte / Landesgeschichte

Prof. Dr. Enno Bünz
Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte
Historisches Seminar der Universität Leipzig


Im Rahmen des Teilprojektes sind zwei Dissertationsvorhaben vorgesehen.

1. Dombau und Kirchenfabrik. Untersuchungen zu Baufinanzierung und -organisation aufgrund archivalischer Quellen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit

Das Vorhaben befasst sich mit den für die Bau- und Restaurierungsgeschichte des Westchors und seiner Ausstattung einschlägigen Quellen des Mittelalters und der Neuzeit. Als Kirchenfabrik, lateinisch “fabrica ecclesie”, wurde nicht nur die Dombauhütte selbst, sondern auch die für den Bauunterhalt bestimmten Besitzungen und Einkünfte bezeichnet, die umfangreiches Schriftgut hervorgebracht hat, beispielsweise Rechnungsbücher seit 1485.

Um die einschlägigen Nachrichten einordnen zu können, ist es nötig, die Baufinanzierung des Naumburger Doms, die Verwaltung der Kirchenfabrik und die Führung der Fabrikrechnungen insgesamt zu untersuchen. Eine solche Arbeit kann im überregionalen Vergleich von Forschungen zur Kirchenfabrik in Köln, Xanten, Straßburg und Wesel profitieren. Bislang sind die in den genannten Quellengruppen enthaltenen, hochbedeutsamen Informationen zur Bau- und vor allem zur Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte des Naumburger Westchores weder bekannt noch ausgewertet. Die Edition ausgewählter, für die Erhaltung und Konservierung bzw. für die Kunst- und Ausstattungsgeschichte des Naumburger Westchors wichtiger Quellennachrichten ist beabsichtigt.

2. Das Werden einer geistlichen Stadt. Dom, Domkapitel und das Entstehen der geistlichen Institutionen im mittelalterlichen Naumburg

Das Naumburger Domkapitel, 968 in Zeitz gegründet, 1030 mit dem Bischofssitz nach Naumburg verlegt, zählte im Mittelalter zu den bedeutendsten geistlichen Institutionen Mitteldeutschlands. Um die Bedeutung des Naumburger Doms zu erfassen, ist es erforderlich den Dom und das Domkapitel aus einer weiteren Perspektive zu betrachten. Erst die Einbeziehung der geistlichen Stadt und die Analyse und Rekonstruktion des Beziehungsgeflechts von Dom und Domkapitel mit den sie umgebenden geistlichen Institutionen (Kirchen, Klöster etc.), die sich auf alle Bereiche des geistlich-religiösen, aber auch politischen und wirtschaftlichen Lebens auswirken, ermöglichen es, die Bedeutung des Naumburger Doms für die Stadt zu verstehen. Bislang hatte sich die Naumburgforschung jedoch in einem unausgewogenen Verhältnis vor allem auf den Dom, insbesondere auf den Westchor konzentriert. Die Erforschung des Domkapitels und seiner Mitglieder, die zugleich die Hauptakteure des sozial-religiösen Lebens der Stadt Naumburg waren, ist zugleich der Schlüssel zu einer eindeutigen, klareren und akzentuierten Charakterisierung des Dombaus.

Das reichhaltige Spektrum Naumburgs an mittelalterlichen Pfarrkirchen, Klöstern, Hospitälern, Kapellen, Stiftungen, Altären und Vikarien vermittelt ein umfassendes Bild des geistlich religiösen Lebens im Mittelalter. Die umfangreiche Quellenbasis in Form von Urkunden, Rechnungsbüchern sowie kopialer Überlieferung bieten ideale Voraussetzungen, das Entstehen einer geistlichen Stadt, einer Bischofsstadt im Besonderen an Hand des Beispiels des mittelalterlichen Naumburgs zu erforschen.

Prof. Dr. Enno Bünz
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www.uni-leipzig.de/histsem

Doktoranden:
Alexander Sembdner | Tim Erthel

Bildarchiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz

Urkunde von 1249

Foto: Annemarie Huhn

Kreuzgang