Naumburg Kolleg - Bauforschung Interdisziplinäre Forschungen zur Baugeschichte, Ausstattung und Konservierung des Westchors des Naumburger Doms. Im Rahmen des Naumburg Kollegs nehmen sich insgesamt 11 junge WissenschaftlerInnen aus 6 Fachbereichen zentraler wissenschaftlicher Fragestellungen rund um den Westchor an. http://www.naumburgkolleg.de/de/bauforschung.html Wed, 22 May 2013 13:50:54 +0000 Joomla! 1.5 - Open Source Content Management de-de Bauforschung (links) http://www.naumburgkolleg.de/de/bauforschung/8-bauforschung-links.html http://www.naumburgkolleg.de/de/bauforschung/8-bauforschung-links.html Prof. Dr. Ing. Manfred Schuller
Lehrstuhl für Baugeschichte, historische Bauforschung und Denkmalpflege / Institut für Baugeschichte, Kunstgeschichte und Restaurierung | Technische Universität München


Auf dem Fachgebiet Bauforschung werden sich zwei Dissertationsvorhaben an dem Forschungsprojekt zum Westchor des Naumburger Doms beteiligen. Die wissenschaftlichen Arbeiten erfolgen unter Leitung von Professor Dr.-Ing. Manfred Schuller, Lehrstuhlinhaber für Baugeschichte, historische Bauforschung und Denkmalpflege der Technischen Universität München.

Auf die Stifterfiguren des Naumburger Meisters und deren Rahmenarchitektur sowie auf den Lettner im Westchor konzentrieren sich die bauforscherischen Untersuchungen. Ziel ist eine Gesamtschau von Skulptur und Architektur in ihrem Wechselspiel.

Im Mittelpunkt der ersten Dissertation steht die zentrale Frage, wann die Skulpturen in die Architektur eingesetzt wurden. Auch der technische Prozess von der Steinauswahl bis zum Versatz des Werkstücks in der Architektur des Westchores interessiert die Forscher. Wie sah der im Steinbruch gewählte Steinblock aus, aus dem die jeweiligen Figuren gehauen wurden? Mit welchen Werkzeugen und Techniken bearbeitete und ergänzte der Meister die Rohlinge?

Um den technischen Zustand und das Innenleben der Skulpturen und Reliefs zu klären, ist die enge Zusammenarbeit mit den Bereichen Kunsttechnologie, Konservierungswissenschaften und Kunstgeschichte notwendig. Das detaillierte Aufmass einzelner ausgewählter Figuren dient wiederum als Grundlage des restauratorischen Teilprojekts. Der Einsatz innovativer Technologien wie die Methode des High-Tech-Scans wird ergänzt mit dem unerlässlichen Handaufmaß, um in direkter Nähe zum Objekt zu arbeiten. Diese Mischung wird den Forschern sehr qualitätvolle Ergebnisse und zugleich Effizienz bei der Bestandsaufnahme ermöglichen.

Die zweite Dissertation widmet sich Fragen zur Baugeschichte, Baugestalt und Bautechnik des Westchorlettners. Ungeklärt sind bis heute der Umfang und die Auswirkungen des Brandes von 1532. Was erfolgte an Reparaturen am Lettner, wie sahen einst die historischen Zugänge und deren Verschließbarkeit aus? Wie und in welchem zeitlichen Ablauf wurde der Lettner in die Chorarchitektur eingefügt?

Von der Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaften verspricht sich die Bauforschung weiterführende Erkenntnisse, etwa zur Klärung der in Naumburg mit besonderer Sorgfalt ausgewählten Materialien.

Die Ergebnisse der Bauforschung werden dicht vernetzt mit Fragestellungen der Restauratoren und der Kunsthistoriker, was im Gesamtverbund eine neue Qualität in der Untersuchung höchstrangiger Architektur und Skulptur ergeben müsste.

 


Dominik Jelschewski: Bauforschung im Naumburger Westchor

Die Stifterfiguren und ihr architektonisches Umfeld stehen im Mittelpunkt der Untersuchung des Doktoranden Dominik Jelschewski. Die Grundlage seiner Arbeit besteht in einer exakten zeichnerischen Erfassung von Skulptur und Architektur. Hierbei kommen neben bewährten traditionellen Methoden auch High-Tech-Verfahren zum Einsatz. Die Oberflächen der zwölf Stifterfiguren samt Baldachinen konnten im Rahmen des Projekts mit einem hochauflösenden Streifenlichtscanner erfasst werden (siehe Artikel Aktuelles "Die Stifterfiguren und Lettnerreliefs in 3D"). Die Analyse der hierbei entstandenen „virtuellen Figurenabgüsse“ eröffnet neben der Untersuchung vor Ort neue Einblicke in den Werkprozess der Skulpturen.

Die konstruktive Einbindung der Bildwerke in die Chorarchitektur ist ein weiteres Untersuchungsfeld des Doktoranden. Die Untersuchung der bautechnischen Lösungen an der Schnittstelle zwischen Architektur und Skulptur soll einen vertiefenden Einblick in Planung und Bauausführung geben.

Neben den Skulpturen im Inneren des Westchores begegnet man am Außenbau weiteren Schöpfungen der Naumburger Werkstatt. Die insgesamt 18 Wasserspeier teils original, teils im 19. und 20. Jahrhundert ergänzt bzw. ersetzt, sind von der Forschung bisher kaum beachtet. Eine detaillierte Betrachtung des Bestandes schließt diese Lücke.

Eine vollständige Katalogisierung der frühgotischen Blattkapitelle am Innen- und Außenbau ergänzt die Untersuchung. Hierdurch soll der direkte Vergleich mit den Kapitellen des Westlettners erleichtert werden.

Parallel hierzu erfolgen im Rahmen der Dissertation umfangreiche Archivrecherchen zur Bau- und Restauriergeschichte des Westchores. Eine externe Studie zu den verwendeten Baugesteinen und ihrer Herkunft rundet das Vorhaben ab (siehe Artikel Aktuelles: "Zu dem Steinbrüchen des Naumburger Westchors").

Die Arbeiten auf den Gerüsten im Chor wurden im Februar 2011 abgeschlossen. Seitdem erfolgt die Auswertung und Zusammenfassung der umfangreichen Materialsammlung.

 


Ilona Dudzinski: Bauforschung am Westlettner

Die Schwerpunkte der bauhistorischen Untersuchungen am Westlettner liegen zum einen auf der Klärung der Entstehungschronologie des Lettners in Bezug auf den romanischen Dom und den gotischen Westchor, dem Nachgehen von bautechnischen Lösungen konstruktiver Details sowie der Werkstattorganisation um den Naumburger Meister. Aber auch Fragen nach der mittelalterlichen Nutzung des Lettners oder nach baulichen Veränderungen nach dem Brand 1532 können mit Hilfe bauarchäologischer Methoden weitgehend geklärt werden.

Als Basis aller Arbeiten dienen verformungsgerechte Pläne im Maßstab 1:20. Über dreizehn Monate wurde am Lettner jeder einzelne Stein vermessen und gezeichnet. Dabei blieben dem Auge kleinste, für jede Kamera unsichtbare Details nicht verborgen. Es entstandenen zahlreiche Grundrisse, Ansichten und Schnitte. Auch das Skulpturenprogramm der Kreuzigungsgruppe und alle Reliefs sind genau unter die Lupe genommen worden. In Zeichnungen im Maßstab 1:5 können Hinweise auf die verwendeten Werkzeuge, den Versatz und die Einbindung der Figuren in die Architektur abgelesen werden.

Die fertigen Pläne dienen als Kartierungsgrundlage für zahlreiche Informationen, wie beispielsweise Brandspuren unterschiedlicher Intensität oder bauliche Veränderungen der vergangenen Zeit. Diese Informationen können oft an der Bausubstanz selbst erschlossen werden. Gleiche Mörtel an unterschiedlichen Stellen des Bauwerks können ein Hinweis auf gleichzeitige bauliche Maßnahmen sein. Chemische Analysen der  Baustoffe liefern zusätzliche Informationen zu Zuschlägen oder Bindemitteln.

Für das Auge verborgene Details konnten mit technischen Hilfsmitteln wie Röntgenaufnahmen sichtbar gemacht werden. Auf diese Weise sind einige der zahlreichen Bleivergüsse im Inneren der Konstruktion gesichtet worden.

Obwohl das Bauwerk selbst die wichtigste Informationsquelle für den Bauforscher bleibt, ist der Gang ins Archiv dennoch unerlässlich. Hier erfährt man für viele der Änderungsmaßnahmen Gründe und bei etwas Glück auch ein genaues Datum.

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info@kaestner-it.biz (Administrator) Bauforschung Wed, 19 Aug 2009 10:43:01 +0000
Bauforschung (rechts) http://www.naumburgkolleg.de/de/bauforschung/17-bauforschung-rechts.html http://www.naumburgkolleg.de/de/bauforschung/17-bauforschung-rechts.html

Prof. Dr. Ing. Manfred Schuller
E-Mail: baugeschichte@lrz.tum.de
www.baufo.ar.tum.de

Doktoranden:
Dominik Jelschewski
Ilona Dudzìnski

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Foto: Jelca Kollatsch für VolkswagenStiftung

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Foto: Jelca Kollatsch für VolkswagenStiftung

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Figur des Wilhelm im 3D-Streifenlichtscan

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Mit dem Bewehrungssuchgerät auf Metallsuche

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S. Schaarschmidt (SWS Werkstoffprüfung) bei der Ausrichtung der Röntgenröhre

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Eine Zeichnung entsteht

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Ausschnitt der Ostansicht des Westlettners mit zugehörigem Schnitt (Originalmaßstab 1:20)

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Isometrische Skizze der Steinschnitte von Christus und den beiden Engeln am Mittelportal

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info@kaestner-it.biz (Administrator) Bauforschung Fri, 21 Aug 2009 20:27:53 +0000