Woher stammen die Natursteine des Naumburger Westchors? Das Naumburg Kolleg begab sich im Naumburger Umland auf Spurensuche.
Exkursionsziele waren neben ausgewählten Orten, Burgen und Schlössern der Saale-Unstrut-Region die historischen Steinbrüche am Himmelreich, um Obermöllern, Zscheiplitz und Balgstädt. Reinhard Schmitt, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt begleitete das Naumburg Kolleg nach Freyburg (Schloss Neuenburg und Stadtkirche), Goseck (ehemalige Klosterkirche und Schloss), Bad Kösen (Romanisches Haus, Rudelsburg) und Naumburg (Ägidienkurie).
Prof. Dr. Heiner Siedel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geotechnik der TU Dresden und Honorarprofessor an der HfBK Dresden, stellte die Ergebnisse seiner im Rahmen des Naumburg Kollegs angefertigten geowissenschaftlichen Studie zur Herkunft der verwendeten Natursteine vor:
Der Naturraum des Saale-Unstrut-Tals bietet sehr günstige Verhältnisse zur Gewinnung von Naturstein für die Errichtung von Bauwerken wie des Naumburger Doms. Zudem erlauben die schiffbaren Flüsse einen relativ einfachen Transport von nahe am Wasser gelegenen Steinbrüchen zur Dombaustätte.
Als wichtigstes Bau- und Bildhauergestein des Naumburger Doms ist Muschelkalk, insbesondere Freyburger Schaumkalk zu nennen. Die charakteristische schaumige Struktur dieses Muschelkalks geht einher mit Einlagerungen von Fossilresten bzw. deren Hohlformen. Sowohl an den Stifterfiguren als auch an den Lettnerreliefs sind diese Merkmale sichtbar. Mit diesem Naturstein stand dem Naumburger Meister ein leicht zu verarbeitendes Material zur Verfügung. Kompromisse waren dennoch nötig. Die relativ geringe Mächtigkeit der Muschelkalkbänke in den Steinbrüchen begrenzte die Größe der zu gewinnenden Rohblöcke. Wurden größere Werkstücke benötigt, so musste ein „liegender Block“ gebrochen werden. Generell war das Vorkommen großformatiger Rohblöcke, wie z.B. für die Stifterfiguren und Lettnerreliefs benötigt, limitiert. Der Bildhauer musste also gewisse Qualitätsmängel (inhomogene Oberfläche durch schichtweise fossile Einschlüsse) in Kauf nehmen.
Die Frage, aus welchen Steinbrüchen genau die Natursteine im Naumburger Westchor stammen, kann nicht endgültig beantwortet werden. Viele historische Steinbrüche sind heute nicht mehr zugänglich oder die Vorkommen abgebaut. Eine umfangreiche Beprobung regionaler Steinbrüche und der verbauten Natursteine an den Skulpturen im Naumburger Westchor kam nicht in Frage. Stattdessen wurde diese Fragestellung allgemein geologisch-geomorphologisch angegangen. Günstige Vorrausetzungen für die Gewinnung sowie eine gute Transportlage spielten eine wesentliche Rolle bei der Auswahl von Steinbrüchen im Mittelalter. Die bereits bekannte Hypothese, wonach der Muschelkalk für den Naumburger Westchor aus den auch urkundlich erwähnten historischen Steinbrüchen bei Balgstädt stammt, konnte in dieser Untersuchung bekräftigt werden.

In der ehemaligen Klosterkirche Goseck | Foto: Dominik Jelschewski
Im Steinbruch am Himmelreich | Foto Bernadett Freysoldt
Exkursion des Naumburg Kollegs: Prof. Dr. J. Schmude, S. Frank, Chr. Hans, D. Karl, D. Jelschewski, J. Menzel; B. Freysoldt (v.l.n.r., obere Reihe), Prof. Dr. M. Schuller, P. Bömer, A. Sembdner, T. Erthel, Prof. Dr. H. Siedel (untere Reihe) | Foto: Prof. Dr. Heiner Siedel
Eine limitierte Anzahl des Tagungsbandes ist zum Subskriptionspreis von 42 € zuzügl. Versand verfügbar. Für Vorbestellungen senden Sie eine Email an: naumburgkolleg@hfbk-dresden.de
Das Naumburg Kolleg stellte Forschungsergebnisse bei der Internationalen Tagung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister am Naumburger Dom St. Peter und Paul vom 20. bis 24. September 2011 vor.
In tiefer Trauer nehmen die Betreuer, Doktoranden und Koordinatoren des Naumburg Kolleg Abschied von ihrem Spiritus rector Prof. Dr. Ulrich Schießl, der am 25. Juli 2011 plötzlich und unerwartet verstorben ist.
Polychromietagung
13. – 15.10.2011 in Naumburg / Saale
» zum Tagungsprogramm
Das Naumburg Kolleg im Kurzfilmformat - ab März 2011 werden die Filme via Internet einer breiten Öffentlichkeit kommuniziert.
Woche des offenen Gerüstes vom 21. bis 27. Februar 2011 - das Naumburg Kolleg gibt Forschungsgerüst für Besucher frei
Zehn Kurzfilme zu den Teilprojekten des Naumburg Kolleg präsentieren das Projekt einer breiten Öffentlichkeit.
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Susanne Frank, Doktorandin im Teilprojekt Tourismusforschung stellte im Rahmen der internationalen Tagung „Tourismus, Religion und Kultur“ vom 27.-29.10.09 in Lecce/Italien das Naumburg Kolleg sowie dessen interdisziplinäre Arbeitsweise vor.
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Besucher, die zurzeit den Naumburger Dom besichtigen, erleben Forschung unmittelbar. Seit Juli 2009 erforschen im Rahmen des Naumburg Kollegs 11 Doktoranden aus sechs Disziplinen den Westchor des Naumburger Doms.
